verschiedene glutunfreie Brötchen von Oshione in Brotkorb

Rückblick auf sechs Jahre glutenfrei: Meine 8 Learnings

Wahnsinn! Schon 6 Jahre esse ich so gut wie kein Gluten. Kaum Weißmehlbrötchen, Dinkelcroissants, Kuchen aus der Bäckerei, so gut wie keine Pizza oder Spaghetti aus Hartweizen.

Hört sich nach einer großen Einschränkung an?!

I wo!

  • Ich bin superselten krank, die Verdauung flutscht und das krasse Nasenjucken, das mir jahrelang den Schlaf vermiest hat, ist auch weg.
  • Ich bin viel wacher, was meinen Körper angeht. Wenn der Bauch mal zwackt, weiß ich in der Regel, woran es liegt.
  • Und beim Kochen haben sich einige neue Türchen für mich geöffnet.

Natürlich war die Umstellung zunächst krass. Was mir beim Start geholfen hat? Neugierig sein und offen für das, was stattdessen kommt; außerdem Disziplin, eine gute Portion Experimentierlaune und das Vertrauen, dass man/frau das schon schafft.

Laib glutunfreies Brot und Scheibe Brot

Glutenfrei essen – was heißt das überhaupt?

Mit Ende 40 führte mich ein kranker Bauch zur Hausärztin. Über eine Blutuntersuchung stellte sie eine Glutenunverträglichkeit fest.

Gluten ist ein Klebereiweiß, das in zahlreichen herkömmlichen Getreiden mit viel Stärke enthalten ist, z.B. in Weizen,Dinkel, Roggen, Gerste oder Hafer. Es ist beim Backen super, weil es den Teig zusammenhält und Sachen wie Brot, Kuchen und Keksen eine optimale Struktur verleiht. Der Haken am modernen Weizen: Er ist überzüchtet und enthält deutlich mehr Gluten als früher. Deswegen wurden in den letzten Jahrzehnten – so habe ich gelesen – auch viel mehr Glutenunverträglichkeiten diagnostiziert.

Eine Glutenverträglichkeit ist übrigens etwas anderes als die Autoimmunerkrankung Zöliakie! Sie führt beim Verzehr von Gluten zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Dadurch sterben mit der Zeit die Zotten des Dünndarmes ab und es kommt zu einer Unterversorgung des Körpers mit lebenswichtigen Vitaminen. Nährstoffe werden nur noch vermindert aufgenommen. Menschen, die unter Zöliakie leiden, leiden, wenn sie sich nicht strikt glutenfrei ernähren.

Glutenfrei essen? – Meine Learnings

Das habe ich in den letzten Jahren ohne Klebereiweiß gelernt:

  1. Glutenfreie Ernährung ist lecker und vielseitig. Die Palette an Alternativen ist groß: Hirse, Buchweizen, Reis, Quinoa, Mais … Da kann man lecker + abwechslungsreich + vollwertig kochen. Vor allem habe ich in dieser Zeit Kichererbsen und andere Hülsenfrüchte für mich entdeckt!
  2. Gluten ist nicht nur in herkömmlichen Backwaren oder in Pasta: Das Zeug wird in viele Lebensmittel wie Bier, Backpulver, Gries oder Stärke gemogelt. Deshalb: Zutatenliste genau checken!
  3. Glutenfrei kochen ist nicht schwer, sondern anders. Zur Umstellung gehört: neue Rezepte raussuchen, Basics der glutenfreien Küche einkaufen und die ganzen Produkte mit Weizen & Co. entsorgen – es sei denn, der Rest deiner Familie darf Gluten. Neu in der Küche sind jetzt: Pasta aus Mais oder Kichererbsen und ein Grundstock an glutenfreien Mehlsorten wie Reis- und Buchweizenmehl. Außerdem Hirsegries und Stärke aus Mais oder Tapioka (getrocknete Maniokwurzel). Wenn das erstmal geschafft ist, gilt es nur noch, am Ball zu bleiben.
  4. Glutenfrei einkaufen ist in Bioläden kein Problem mehr. Das Angebot hat sich rasant vergrößert. Bioläden sind in der Regel gut bestückt und auch in herkömmlichen Supermärkten gibt es mittlerweile Produkte ohne Gluten. Auf dem Land sieht es möglicherweise anders aus. Wie gut, dass man viele Produkte auch online bestellen kann!
  5. Mandeln sind mein Credo beim Kuchenbacken: Backen ohne Gluten ist ein bisschen tricky. Eine Mischung aus gemahlenen Mandeln sowie Reis- und Buchweizenmehl ist bei mir Standard. Hinzu kommen ein Extraschuss [Pflanzen-]Milch (der Teig braucht mehr Flüssigkeit!), 1 TL gemahlene Flohsamenschalen für eine geschmeidige Struktur, ein bisschen Maisstärke und Natronpulver als Backtriebmittel. Das ist glutenfrei.
  6. Glutenfreie Pasta aus Mais oder Linsen finde ich okay. Allerdings sind geile Weizenspaghettis noch mal was anderes – selten gönne ich sie mir.
  7. Für unterwegs empfehle ich, immer einen Snack in der Tasche zu haben – sonst kann es eng werden. Äpfel, Möhren, Nüsse, Studentenfutter oder Datteln: Irgendwas davon habe ich meist dabei gegen Unterzuckerung. Gute Planung ist das A und O bei glutenfreier Ernährung!
  8. Lecker glutenfreie Backwaren in großen Städten: In Berlin, Hamburg, München, usw. gibt es mittlerweile einige spezialisierte Bäckereien. Hier werden Brot und Brötchen noch per Hand geformt – und das Brot auf Basis von Sauerteig hat eine tolle Kruste. Meine Lieblingsbäckerei in Berlin heißt oshione und sitzt in Kreuzberg. Sie verschickt übrigens auch überregional: Einfach über den Shop bestellen! Jeden Mittwoch gehen die leckeren Sauerteigbrote via DPD raus.

Mein Fazit: Glutenfrei essen gelingt mir im Großen und Ganzen wirklich gut. Nur beim Bier werde ich regelmäßig schwach – obwohl ich kürzlich mal ein Pils ohne Gluten getrunken habe. Schmeckte prima! Und bei Einladungen oder im Urlaub mache ich mal eine Ausnahme, weil das ganze Weizenzeugs ja auch schmeckt.

Lust auf glutenfrei? Das sind meine Lieblingskuchen:

 

Fotos: oshione

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